Exklusiver Ausschnitt aus der Lektion "Die Mistel"​

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Pflanzenportrait

Mistel

Botanischer Name

Viscum album

Volksname

Donnerbesen, Drudenfuß, Hexenbesen

Pflanzenfamilie

Sandelholzgewächse (Santalaceae), mehrjährig

Standort

Halbschmarotzer auf Laub- und Nadelbäumen

Sammelzeit

Blätter und dünne Stängel im Mai -Juni, Beeren im Winter

Inhaltsstoffe

Alkaloide, Oleanolsäure, Querecetin, Mistellektin, Cholin, Bitterstoffe, Pyridin

Anwendungsgebiete

In der Krebstherapie, bei Krämpfen, Epilepsie, innere Blutungen, Störungen des Blutkreislaufes, Schwindel, schwaches Gedächtnis, Migräne, Kopfschmerzen, Drüsenschwäche und Zuckerkrankheit, unterstützend bei Bluthochdruck und Schlaganfall

Astrologische Zuordnung

Mond, Neptun

Informationen

Mehr über die Mistel

Erkennungsmerkmale und Verwechslungsgefahren

Die Mistel ist alles andere als eine „normale“ Pflanze. Die gelbgrüne Kugel mit den weißen, klebrigen, perlenartigen Beeren könnte genauso gut ein kleines pflanzliches Ufo sein, das sich da im kahlen Wintergeäst verfangen hat. Das Gewächs, das trotz winterlicher Kälte und Dunkelheit sein ledriges, grünes Blättergewand behält, hat sich weitgehend vom jährlichen Rhythmus der Sonne emanzipiert. Es verhält sich so, als gingen es die Jahreszeiten nichts an.

Es gibt eine Pflanze, die mit der Mistel verwechselt werden könnte, die Eichenmistel (Loranthus europaeus):

Diese Pflanze ist eine Verwandte der Mistel und kommt hauptsächlich in Südeuropa vor. Sie wächst auf Eichen und hat gelblich-grüne Blätter im Gegensatz zur europäischen Mistel, die grüne Blätter hat.

Unterscheidungsmerkmal: Eichenmisteln haben keine weißen Beeren, sondern gelbliche bis orangefarbene Früchte.

Name und Brauchtum

Auch für denjenigen, der sich sonst kaum um Pflanzen kümmert, hat die Mistel etwas Unheimliches an sich. Das spiegelt sich schon in den Namen, die ihr der Volksmund verleihen hat: Hexennest, Hexenbuschen, Teufelsbesen, Trudennest, Gespensterrute, Mahrtake (Mahr = Nachtgeist, Take = Zweig) oder auch Alpranke (Alp = elfisches Wesen).

Für die Kelten war es klar: Die Mistel ist ein Wesen der Zwischenwelt; ein Tor zu anderen Dimensionen. Sie vermittelt zwischen dem Diesseits und dem Jenseits, zwischen Leben und Tod. Ein Mistelpfeil tötet den Sonnengott, wenn – zur Sommersonnenwende – die aufsteigende Jahreshälfte in die absteigende übergeht. Zur Wintersonnenwende ist es wiederum ein Mistelzweig, der das wiedererstehende Leben, die Wiedergeburt des Sonnengottes tief im Schoß der Erde, ankündigt. In den angelsächsischen Ländern wird zu Weihnachten in Anklang an die keltische Tradition noch immer eine Mistel über die Türschwelle aufgehängt. Wer sich unter dieser Mistel befindet, ist – wie die Mistel selbst – frei von allen gesellschaftlichen Normen; er befindet sich in der „Zwischenwelt“, wo Unmögliches möglich werden kann. Wenn sich ein Mann und eine Frau zufällig unter dem Mistelzweig begegnen, dürfen sie einander – egal wer sie sind – liebkosen und küssen. Sie haben Teil am Rausch der kosmischen Fruchtbarkeit.

Die Mistel wurde von den Kelten als die „Alles Heilende“ (oljo-liagi),verehrt. Man kochte aus ihr Salben und braute Getränke um der Fallsucht (Epilepsie) vorzubeugen oder um harte Geschwülste aufzulösen; wie in der Volksheilkunde noch heute behandelt man Geschwüre, Ohrenschmerzen, Milzleiden, Rotlauf, Gicht, Vergiftung und Frostbeulen mit ihr. Vor allem aber wurde sie benutzt um die Fruchtbarkeit von Mensch und Vieh zu fördern. Die weißen, schleimigen Beeren, die im Winter reifen, galten bei den Alteuropäern als der Same des träufelnden himmlischen Stiers, der die Erdmutter zu dieser Zeit befruchtet.

Heilpflanze

Aber auch beim einfachen Volk galt die Mistel als konzeptionsfördernd. In einem alten Kräuterbuch heißt es: „Drei Mistelzweige in einem halben Liter süßen Weißweins drei Minuten lang gesotten, acht Tage vor dem Eintritt der Periode der Frau getrunken, bewirken Schwangerschaft.“ Auch Kräuterpfarrer Kneipp, wie auch Maria Treben, empfahl den Frischsaft aus den jungen Zweigen gegen Unfruchtbarkeit, Gebärmutterstörungen, Gebärmuttergeschwülste und Weißfluss. Er schrieb, „den Müttern kann ich die Mistel nicht genug ans Herz legen, sie mögen recht gute Bekanntschaft mit ihr machen.“

Klinisch erwiesen ist inzwischen die krampflösende, blutdrucksenkende Wirkung der Mistel. Misteltee oder –tropfen verlangsamen den Herzschlag und erweitern die Arterien. Eigentlich wirkt die Mistel „adaptogen“, also harmonisierend: Sie senkt hohen Blutdruck, hebt aber auch zu niedrigen Blutdruck. Hilfe bringen Mistelpräparate auch bei Schwindelgefühl und, wie der Kneipparzt Dr. Bohn aus seiner Praxis bestätigt, bei „chronischen Krämpfen und hysterischen Beschwerden“. Auf dieser Wirkung basiert wahrscheinlich die traditionelle Anwendung der Mistel bei Epilepsie. Rudolf Steiner, der – als sei er ein wiedergeborener Druide – intuitiv sehr viel altkeltische Weisheit in die neue Zeit hineinbrachte, hat die Mistel für die Krebstherapie wiederentdeckt. Nach der alten Signaturlehre ist es durchaus schlüssig, dass die schmarotzende Pflanze ihr Gegenbild in krebsigen Wucherungen hat. Tatsächlich wurde inzwischen in der Mistel nicht nur ein tumorhemmendes Protein entdeckt, sondern zugleich auch ihre das Immunsystem stimulierende Wirkung bestätigt. Eine höhere Lebenserwartung der mit Mistel behandelten Krebskranken ist statistisch erwiesen.

In der Küche

Die Beeren und Blätter der Mistel enthalten toxische Substanzen, insbesondere Viscotoxine und Lectine, die bei Verzehr Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und in schweren Fällen auch Herz-Kreislauf-Probleme verursachen können.

Im Garten oder Balkon anbauen

Es ist möglich, Misteln im Garten anzubauen.

Wirtspflanze auswählen: Misteln sind Halbparasiten und benötigen einen Wirtsbaum, um zu wachsen. Geeignete Wirtsbäume sind Apfelbäume, Pappeln, Linden, Eichen und Birken.

Samen sammeln: Die Samen der Mistel befinden sich in ihren weißen Beeren. Diese können im Spätherbst oder Winter gesammelt werden.

Samen pflanzen: Die Mistelsamen müssen auf den Zweigen der Wirtsbäume platziert werden. Es ist am besten, sie in kleine Rindenrisse oder Astgabelungen zu drücken, wo sie sich festsetzen können.

Geduld haben: Misteln wachsen sehr langsam. Es kann mehrere Jahre dauern, bis sie sich etabliert haben und sichtbar zu wachsen beginnen.

Pflege: Sobald die Misteln wachsen, benötigen sie wenig Pflege. Es ist jedoch wichtig, den Wirtsbaum gesund zu halten, da die Misteln von seiner Vitalität abhängen.

Rezept

Mistel Essenz

Zutaten

1 Handvoll Mistelstängel und Blätter
  1. Eine Handvoll frische Mistelstängel und Blätter zerkleinern.
  2. Mit so viel Alkohol übergießen, dass die Kräutermasse abgedeckt ist.
  3. 8 Wochen in der Sonne stehen lassen.
  4. Danach abfiltern und tropfenweise verwenden.
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